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Im Einklang aller Teile - Das moderne Salzburg - eine fotografische Erkundung

Edition Tandem, ISBN 978-3-902932-21-1, 28x28 cm, 56 Seiten, € 15,--, erhältlich im Buchhandel oder beim Verlag


Die eher konservativ geprägte Stadt Salzburg ist schon in der Vergangenheit ein Ort gewesen, an dem sich die Einflüsse der Moderne nur zögerlich durchsetzen konnten. Ihre Altstadt verwandelte sich schließlich von einem lebendigen Wohnort in einen lukrativen Tourismusbetrieb, der sich dem Erhalt eines einträglichen musealen Stadtbildes verschrieben hat. Daher führen architektonische Veränderungen und künstlerische Interventionen bis heute häufig zu Konflikten zwischen „Traditionalisten“ auf der einen und „Modernisierern“ auf der anderen Seite. Diesen zum Teil sehr heftigen Kontroversen wird die Perspektive des Fotografen gegenübergestellt. Die Auswahl der Motive orientiert sich dabei an der Frage, inwieweit architektonische, bzw. künstlerische Formen spannende und anregende öffentliche Szenerien erzeugen können, die unabhängig von der Polarisierung zwischen Tradition und Moderne einen Einfluss darauf haben, wie Menschen ihre städtische Umwelt wahrnehmen und was sie letztlich als ästhetisch und attraktiv empfinden.

Aus der Eröffnungsrede von Dr. Anton Gugg:

"Mätzlers Salzburg-Bilder muten eigentlich hochutopisch, wie ein Traum, vielleicht Alptraum eines imaginären Architekten an – und doch ist es das geschickte, ja genialische Herauskitzeln von Kontrasten aus der vorhandenen, in Wirklichkeit gar nicht genialen Gebrauchsarchitektur, die Kritiker so oft auf die Palme bringt. Eigentlich scheint dieses oft als Verschandelung apostrophierte Bau-Zeitgenossentum in Glas und Beton gleichrangig den gefeierten Zeugen der Vergangenheit, was in der Realität nicht zutreffen mag, aber für die Zauberkraft dieses Fotografen zeugt."

Auszug aus dem Vorwort von Ruth Mätzler mit dem Titel „Absichtslose Offenheit, Intuition und die Angst vor Veränderung“:

"Wenn man Karl Mätzlers Fotografien aufmerksam betrachtet, dann fällt auf, dass Strukturen, Formen und Symmetrien eine große Bedeutung zufallen - ähnlich wie sie in der Natur vorkommen, die für Karl Mätzlers Arbeit ein ständiger Quell der Inspiration und eine lebenslange fotografische Herausforderung darstellt. Seine Bilder können auf den ersten Blick noch so ungeheuerlich wirken (wie etwa das futuristisch anmutende „Heizkraftwerk Nord“), bei näherer Betrachtung erschliesst sich dennoch die Faszination ausgewogener Proportionalität. Hier spielen das Objekt und der vom Fotografen gewählte Bildausschnitt freilich zusammen, denn der Fotograf kann nur das halten, was die Architektur auch tatsächlich verspricht! Und so verschränkt sich an dieser Stelle die Wirkung von Architektur und Bild auf dem Hintergrund von einem als ästhetisch und ansprechend empfundenen Zu­sammenspiel aus Linien, Flächen, Formen und Perspektiven.

Mit der treffenden Formulierung „The Addition of Strangeness to Beauty“ hat der englische Essayist Walter Pater im 19.Jahrhundert einst die Epoche der Romantik beschrieben. An diesen Satz musste ich immer wieder denken, als ich mir für die vorliegende kleine Einführung die Arbeiten von Karl Mätzler noch einmal an­schaute. Seine Fotografien beziehen, quasi „umgekehrt“, ihren großen Reiz dar­aus, dass aus dem Fremden und Ungewöhnlichen „Schönheit“ entstehen kann. Dies sollte den Betrachter dazu einladen, gewohnte Wahrnehmungspfade zu ver­lassen, um in der zum Teil provokanten Formensprache unserer sich ständig wandelnden Stadtlandschaft wiederum Vertrautes zu entdecken. Denn wie wir an­fänglich bereits festgestellt haben, ist die moderne Architektur von heute der nost­algische Sehnsuchtsort von übermorgen!"